Brot ist viel mehr!

In: Allgemein Von: Malte Krohn

Wenn man im Zug sitzt hat man häufig Zeit für Dinge, die man sonst nicht tut. Etwa den Text auf der Brötchentüte zu lesen. Und so sitze ich gerade Brötchen mampfend im InterCity und lese die Liebeserklärung zweier Bäckereigeschäftsführer an die Deutsche Backkultur.

Bäckerei
Foto: flickr.com – superscheeli

Dort heißt es unter dem Titel „Brot ist viel mehr!“:

„Der Ausblick auf eine üppige Kuchenauswahl, der Duft von Frischgebackenem, das Geräusch beim Biss in ein frisches Brötchen, das Fühlen der Kruste eines deftigen Brotes und – nicht zu vergessen – der Geschmack. […] Halten Sie uns für verrückt, aber Brot ist eben doch viel mehr als ein Grundnahrungsmittel. Zumindest sehen wir das so.“

Ich gebe den beiden Bäckern vollkommen recht. Brot, Brötchen und Kuchen sind auch für mich eine tolle Sache. Es gibt kaum etwas Besseres, als ein Stück warmes Brot mit Butter oder ein perfektes Stück Käsekuchen. Um so erschreckender, dass in Deutschland jedes Jahr dutzende Bäckereien schließen müssen. In einigen Fällen fehlen die Geschäftsnachfolger, in den allermeisten Fällen aber sind es die Kunden, die nicht mehr kommen. Was übrig bleibt sind die Filialen deutschlandweit tätiger Großbäckereien und Aufbackshops, die seit einiger Zeit allerorts wie Pilze aus dem Boden sprießen. Wie es das Wort schon sagt, werden in Aufbackshops, mit dem LKW angekarrte Tiefkühlrohlinge aufgebacken. Bei Wikipdia heißt es dazu:

„Teigling (Kofferwort: Teig und Rohling) bezeichnet ein in der Regel industriell hergestelltes, fertig bearbeitetes, geformtes Stück rohen Teiges. Er kann sowohl frisch als auch in gekühltem (gärunterbrochenem) oder tiefgefrorenem Zustand sein.“

Ich bin viel in Deutschland unterwegs und immer wieder erschrocken darüber, wie sich Aufbackshops nach und nach fest in viele Stadtbilder verankern. Ich kann mir einfach nicht erklären, warum es so viele Menschen gibt, die diese Angebote in Anspruch nehmen. Der Preis zählt und ja, es gibt Menschen die müssen wirklich auf jeden Cent achten, um über die Runden zu kommen. Aber ich würde vermuten der Kundenstamm der Aufbackshops geht über sämtliche Gesellschaftsschichten hinweg. Gibt es einfach so viele Menschen, denen Geschmack inzwischen egal ist oder sind wir alle in Zeiten der Fertigprodukte so abgestumpft, dass es uns egal ist? Ein Problem kenne ich natürlich selbst: Wenn der Bäcker um die Ecke um 18 Uhr das Geschäft schließt, sitze ich meistens noch bei der Arbeit und ich gebe zu, es ist einfach bequem das Brot aus dem Supermarkt mitzunehmen. Aber wenn ich an einem Samstagmorgen durch die Fußgängerzone laufe und im Aufbackshop mehr als doppelt so viel los ist, wie in der Bäckerei nebenan, frage ich mich ersthaft, was hier falsch läuft.

Deshalb kann ich alle nur ermuntern, kauft mal wieder ein frisches Brot morgens beim Bäcker und ihr werdet hoffentlich verstehen, was ich meine.

Mehr zum Thema:
– Utopia: So falsch ist unser Billig-Brot
taz: Aufbäckerei
ZEIT: Neue Front im Bäckerkrieg
– Spiegel-Online: Steigende Kosten: 6000 Bäckereien vor dem Aus
– 3Sat: Billige Brötchen – Die Spur der Teiglinge
– Rheinische Post: Bäckereien-Sterben: Lidl & Co. verhökern Billig-Brot

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