Ein Date mit Zoe

In: Mobilität Von: Malte Krohn

Im September war ich auf der IAA und habe mich dort ausschließlich über Elektroautos informiert. Zu meiner Verwunderung wurde ich an allen großen Ständen fündig. Elektromobilität ist ganz offensichtlich ein Thema, das nun doch fast alle Automobilhersteller bewegt – wenn auch mit unterschiedlicher Intention und Intensität.

Renault ZOE

Auf meiner Tour bin ich auch am Renault Stand vorbei gekommen, die neben dem Twizy den neuen Zoe präsentierten. Endlich ein Elektrofahrzeug, das im Gegensatz zum Mitsubishi i-Miev oder Citroen C-Zero als vollwertiger Kleinwagen angesehen werden kann. Da war es klar, dass ich einen Probefahrttermin vereinbaren muss. Gesagt, getan. Wenige Tage später erhielt ich bereits einen Rückruf mit dem Hinweis, dass in meiner Nähe ein Zoe als Vorführwagen verfügbar sei. Und so war ich am vergangenen Wochenende beim Renault Händler um die Ecke, um mir das Auto mal genauer anzuschauen.

Auf den ersten Blick: Von der Größe her lässt sich das Auto wahrscheinlich am ehesten mit dem Renault Clio vergleichen. Mir persönlich gefällt die Front nicht besonders, aber dieser „finstere Blick“ scheint ja momentan in Mode zu sein. Von der Seite betrachtete spricht mich das Auto dafür aber umso mehr an. Gewöhnungsbedürftig finde ich nur die Türöffner an den hinteren Türen. Anscheinend aus Gründen der Aerodynamik gibt es keine richtigen Griffe.

Renault ZOE

Renault ZOE

Los geht’s: Vor einer längeren Fahrt kann man das Navi so programmieren, dass es Ladestationen mit einplant. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass einem unterwegs der Saft ausgeht. Für meine Probefahrt war dies aber nicht notwendig. Mit einer Komplettladung komme man im Eco-Modus – unter Idealbedingungen – bis zu 210 Kilometer weit. Wie weit man mit einer Akkuladung wirklich kommt kann ich nach einer Fahrt natürlich nicht beurteilen. Renault selbst spricht von einer realen Reichweite von 100 (Winter) bis 150 Kilometer (Sommer).

Das erste was einem in dem 88 PS Kleinwaagen auffällt ist, dass es statt einem Tank- eine Batterieanzeige gibt und die Reichweite der aktuellen Ladung stets eingeblendet wird. Das Auto fährt sich angenehm leicht, aber es stellt einen großen Unterschied dar, in welchem Modus man unterwegs ist. Im Eco-Modus hatte ich das Gefühl, als ob ständig jemand gegen bremsen würde und bei 90 Km/h stellt das Auto dann auch die Beschleunigung ein. Die Fahrfreude geht an dieser Stelle eben auf Kosten der Reichweite. Das sollte aber verkraftbar sein, schließlich geht es bei diesem Auto ja auch um eine sparsame Art der Fortbewegung. Bei kurzen Fahrten, kann man aber auch mutig sein und den Eco-Modus ausschalten. Dann offenbart sich ein Vorteil von Elektromotoren: Die Beschleunigung. Auf der Autobahn kommt dadurch große Freude auf. Spätestens bei 135 km/h ist der Spaß dann aber zu Ende. Denn auch im freien Modus gibt es eine Geschwindkeitsbegrenzung.

Renault ZOE

Ein Auto mit AppStore: Einen genaueren Blick hat auch das Multimediasystem verdient. So lassen sich im R-Link System alle aktuellen Autodaten auslesen. Sehr positiv überrascht wurde ich von dem Touchscreenpanel. Die dargestellten Buttons sind gut angeordnet und das Display selbst weist eine gute Berührungsempfindlichkeit auf. Dadurch lässt sich bspw. das Radio auf Anhieb blind bedienen. Interessant ist das System aber auch deshalb, da sich noch nachträglich neue Anwendungen installieren lassen. Dafür gibt es eine Art AppStore. Wie dieser sich entwickelt, wird sich noch zeigen. Noch begeisterter wäre ich natürlich gewesen, wenn man auf Android gesetzt hätte*.

ZOE-11

Renault ZOE

80 Prozent in 30 Minuten: Als ziemlich unkompliziert stellte sich auch der Ladeprozess heraus. Das Ladekabel mit Typ 2- Stecker muss man jedoch stets mit sich herumfahren. Für den Ladeprozess wird zunächst der „Tankdeckel“ geöffnet, der sich hinter dem Renault-Logo an der Auto-Front befindet. Mehr als die Ladestationen zu aktivieren und diese mit dem Auto zu verbinden muss nicht getan werden. Laut Renault soll der Akku bei einer 43 kW-Ladung nach 30 Minuten zu 80 Prozent geladen sein. Bei einer 22 kW-Ladung nach etwa einer Stunde. An einer normalen Schuko-Steckdose kann man das Auto derzeit nicht laden, ein entsprechendes Ladekabel scheint aber in der Planung zu sein.

Renault ZOE

Renault ZOE

100 Kilometer unter 4 Euro: Laut Auto Motor Sport kommt der Zoe auf 100 Kilometern auf einen Verbrauch von 15 Kilowattstunden. Bei einem Strompreis von 25,75 Cent pro Kilowattstunde müsste man auf dieser Strecke also etwa 3,86 Euro einplanen. Mit einem Renault Clio (6,6 Liter/100 Kilometer) würde man im Vergleich dazu auf 100 Kilometer fast 10 Euro zahlen.

Zum Finanziellen: Bei 20.600 Euro geht es los. Der von mir gefahrene Wagen hatte das Ausstattungspaket „Zen“, das insgesamt mir 22.400 Euro zu Buche schlägt. In beiden Preisen noch nicht enthalten ist die 1.100 Euro teure Ladebox für zu Hause. Außerdem muss man beachten, dass einem durch den Kauf nur das Auto gehört, nicht aber die Akkus, die logischerweise notwendig sind. Diese least man für 79 bis 202 Euro im Monat von Renault. Der Vorteil daran ist, dass Renault einen Austausch der Akkus garantiert, falls es zu einem Defekt kommen sollte.

Mein Fazit: Schon nach der kurzen Fahrt hat sich für mich gezeigt, dass der Zoe vieles erfüllt, was ich mir schon lange von einem Elektrofahrzeug gewünscht habe. Der entscheidende Faktor wird allerdings die Reichweite bleiben. Momentan ist das Auto noch auf kürzere Strecken ausgelegt. In meinem Fall würde es mit einer Akkuladung nicht für die Fahrt zu Arbeit und zurück reichen. Auch deshalb werde ich mir als nächstes mal den BMW i3 anschauen. Der spielt zwar leider schon wieder in einer deutlich höheren Preisklasse, erweitert seinen Fahrtradius jedoch durch einen optional erhältlichen Range Extender. Auf längeren Fahrten ist es sicher nicht schlecht, noch auf eine Backup-Lösung zurück greifen zu können. Denn die größte Gefahr des Zoe sehe ich momentan darin, dass man im Stau steht und auf der Autobahn ohne Strom liegen bleibt. Überhaupt habe ich mich sowieso schon gefragt, was man in diesem Fall macht? Fährt der ADAC zukünftig mit großen Akkus durch die Gegend? Es zeigt sich also, auch mit dem Zoe bleiben noch viele Fragen offen, aber ein großer Schritt ist gemacht.

Ich bedanke mich recht herzlich beim Renault-Autohaus Gnau in Gießen, deren Mitarbeiter mir nicht nur den Zoe für eine ausführliche Probefahrt zur Verfügung gestellt, sondern auch geduldig alle meine Fragen beantwortet haben.


*Update (4.11.2013): Bei Twitter wurde ich von Frank Bauer darauf aufmerksam gemacht, dass Renault für das R-Link-System auf Android zurückgreift. Auf der Renault-Website heißt es dazu in der Tat: „Eine weitere Parallele zur Smartphone-Welt: R-Link nutzt mit Android ein sehr weit verbreitetes Betriebssystem.“

9 Kommentare

Nino November 3, 2013 Antworten

Hallo Malte!
Ein schöner Bericht über den ZOE, danke! Eine Ergänzung zu deiner Frage: Im Stau verbraucht der ZOE im Gegensatz zum Benziner ja fast nichts. Steht das Auto, wird auch kein Strom verbraucht, mal von der Heizung abgesehen. Da müsstest du aber schon den ganzen Tag im Stau stehen, um dort deswegen liegen zu bleiben. Würde es dennoch passieren, wirst du von der Renault Assistance kostenlos zur nächsten Ladesäule abgeschleppt.

Ich fahre seit 5 Monaten meinen ZOE – ohne Ausnahme – und konnte meinen Alltag, aber auch meine Urlaubsfahrten prima mit dem Auto bestreiten. Das sind immerhin nun bereits 12.000km pure Entspannung beim Fahren. Mich sieht eine Tankstelle nur noch zum Cola Kaufen. 😉
Da man den Strom an den meisten öffentlichen Ladesäulen derzeit geschenkt bekommt, haben mich diese 12.000km quasi nichts gekostet. 🙂

In meinem Blog (www.DanZei.de) kannst du meine Erfahrungen im Alltag und der auf der Langstrecke nachlesen.

Gruß
Nino

Malte Krohn November 3, 2013 Antworten

Hallo Nino,

vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.

Jetzt habe ich auch den entsprechenden Absatz auf der Renault-Website gefunden:
„Im Fall einer Panne aufgrund einer defekten Batterie werden Sie von der Renault Z.E. Assistance zum nächsten Z.E. Stützpunkt gebracht. Selbst bei einer ‚Energiepanne‘ aufgrund einer entladenen Batterie schleppt Sie die Renault Z.E. Assistance zur nächstgelegenen Ladestation im Umkreis von 80 km. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.“
Gute Sache.

Dein Blog wandert direkt in meinen Feedreader. 😉

Viele Grüße
Malte

Nino November 3, 2013 Antworten

Freut mich! 🙂

Matthias Fenner November 4, 2013 Antworten

Hallo Malte,

ich fahre ebenfalls schon länger den ZOE INTENS (4 Monate und ziemlich genau nun 4000 km).
Zu Deinen Erfahrungen mit dem ZOE noch folgendes:
– der R-Link-Store ist nicht sehr erquickend, da hat man besser ein I-Phone oder ein Android-Smartphone. Sinnvollerweise kann man E-Mails im R-Link auch nur im Stand lesen oder schreiben !
– Die Reichweite 100 (Winter) bzw. 150 (Sommer) wird wohl so als realistisch gelten können, nach meinen Erfahrungen. Du kommst natürlich insgesamt viel weiter, wenn sich die Fahrtstrecke auf innerstädtischem Gebiet mit Vmax 50-60 km/h befindet. Ich fahre täglich leider ca. 80 Prozent Bundes-Land-Strasse und kam so kaum auf die 150 km-Reichweite im Sommer sondern eher so zwischen 125 und 130 km.
– Zu den Kosten auf 100 km:
Wenn man nicht kostenlos an öffentlichen Säulen tankt, sondern so wie ich lediglich zuhause an der Wallbox, darf man bei Preis nicht ausser Acht lassen, dass bei der Aufladung mehr Strom fliesst, als im Akku ankommt. D.h. nach verbrauchten 16 kW liegt die Strommenge, die über den Zähler läuft bei über 20 kW. Das macht bei mir nach ca. 4000 km und einem (noch) sehr günstigen Strompreis von 0,195 €/kWh zur Zeit einen echten Preis je 100km von 3,90 €. Bei 25 Ct. sind das dann realistisch nahe 5 Euro.

Grüße
Matthias

Nino November 4, 2013 Antworten

Ja, kommt etwa hin. Bei meinen Messungen lag ich so bei 10-12 Prozent Verlusten bei der Ladung. Am meisten kostet das Balancing der Zellen von 99 auf 100%. Bricht man die Ladung bei 99% ab, kann man die Verluste aber deutlich senken.

Matthias Fenner November 4, 2013 Antworten

Hallo Nino,
das ist eine gute Info. Wenn die Überwachungsfunktion eine mehr oder weniger zeitnahe Abfrage des Ladezustandes per Smartphone-App zulassen würde, dann könnte man bei 98 oder 99 Prozent sicher die Verbidnung knappen.
Ich kann aber nicht dauernd in die Garage rennen um nachzusehen, wie weit die Ladung fortgeschritten ist.
Es sei denn, die Zeitangabe bei Ladungsbeginn wäre annähernd genau und man würde sich den Wecker nachts um 3 Uhr stellen, um die Ladung vielleicht 20 Minuten vor dem eigentlichen Ende zu unterbrechen!

Aber tagsüber, werde ich mal versuchen darauf zu achten.

Wann ist Deiner Erfahrung nach die 98-99 Prozent-Marke erreicht? Wieviele Minuten vor dem tatsächlichen Ende (3,7kW-Wallbox!).

Gruß
Matthias

Nino November 4, 2013 Antworten

@Matthias
Ja, das ist in der Tat ein Problem. Ich lade halt aus kostengründen fast ausschließlich öffentlich. Da ist es mir entweder egal, weil es mich nichts kostet, oder ich bin eh zum rechten Zeitpunkt am Auto. Das Balancing läuft nach meinen Messungen immer mit rund 2kW und braucht rund die letzten 10 Minuten.
Dem ZOE fehlt tatsächlich eine Option dafür, die Ladung automatisch zu beenden. Die App zur Fernabfrage funktioniert nur selten und wenn, dann mit elendig Zeitverzug, das hilft einem auch nicht. 🙁

Malte Krohn November 4, 2013 Antworten

Hallo Nino und Matthias,

vielen Dank für die vielen Informationen. Dann bin ich gespannt, ob der i3 die Möglichkeit bietet, die Ladung automatisch zu beenden und wie zuverlässig die Fernabfrage dort ist.

Viele Grüße
Malte

Nils November 14, 2013 Antworten

Es gibt da ein Problem mit dem Akku.
Ich stecke da jetzt nicht ganz so tief im Thema. Ich habe irgendwo mal aufgeschnappt, dass es finanziell aus irgendwelchen gründen nicht umsetzbar wäre die Autos inklusive des Herzstückes „Akku“ zu verkaufen. Warum, weiß ich nicht mehr. Ich habe mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht, weil ich ja ohnehin ein freund des nicht-besitzens bin.

Bis ich über diesen Artikel gestolpert bin:
https://netzpolitik.org/2013/drm-jetzt-auch-fuer-autobatterien/

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