Mein Jahr mit der BahnCard 100

In: Unterwegs Von: Malte Krohn

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mir einen Traum erfüllt und knapp 4.000 Euro in eine BahnCard 100 investiert. Zuvor hatte ich mir lange Gedanken darüber gemacht, ob es sich für mich lohnt, statt einer RMV-Jahreskarte ein Netzticket der Deutschen Bahn zu kaufen. Deshalb hatte ich mir auch vorgenommen alle meine Bahnfahrten im Fernverkehr zu dokumentieren. Nun habe ich meine Reisedaten ausgewertet.

Ich bin gut rumgekommen. Mit der täglichen Fahrt zur Arbeit waren es ganz grob überschlagen 37.000 Kilometer. Und so hätte ich ohne BahnCard alleine für meine Fernfahrten über 4.700 Euro ausgeben müssen. In dieser Summe enthaltene sind nicht meine Fahrten innerhalb von Hessen und die Fahrt zur Arbeit, da ich diese ohne die BahnCard 100 mit einem Verbundticket abgedeckt hätte. Außerdem fehlen meine Nahverkehrsfahrten in City+ Gebieten, in denen ich kostenlos Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen nutzen kann und die Freifahrten für die Familie, die ich mit meinen bahn.bonus Punkten erworben habe.

Aber rechnen wir mal weiter: Von den 4.700 Euro ziehe ich noch 1.700 Euro ab. Dies sind meine Bahnlotto-Fahrten. Also Fahrten, die ich in diesem Umfang ohne BahnCard 100 nicht gemacht hätte. Wenn ich also nur meine normalen Fahrten einbeziehe, komme ich auf knapp 3.000 Euro. Mit einer BahnCard 50, die ich alternativ besessen hätte, würde ich bei 1.500 Euro landen. Das Verbundticket mit IC-Aufschlag liegt bei knapp 2.700 Euro. In Summe liege ich also bei 4.200 Euro und damit mehr als 200 Euro über dem Preis der BahnCard 100.

Nicht berechnen lässt sich allerdings der Wohlfühlfaktor, reisen zu können wann man möchte und wohin man möchte, ohne lästiges Ticket buchen und auch die sonstigen Vergünstigungen der Bahn (Flinkster, Call-a-Bike, DB Lounge) sind nicht zu missachten. Ohne BahnCard 100 hätte ich in vielen Fällen länger darüber nachgedacht, ob es sich zeitlich und finanziell lohnt spontan irgendwohin zu fahren und Freunde zu besuchen. So bleibt also meistens nur die Frage, ob der Zeitaufwand die jeweilige Reise wert ist.

Ihr könnt es euch also wahrscheinlich denken, ich habe mein Experiment „BahnCard 100“ gerade um ein Jahr verlängert.

9 Kommentare

Roland November 7, 2013 Antworten

Ich vermisse dazu ein halbwegs verlässliches Hotel-Angebot, dass ähnlich flexibel wie die BahnCard 100 ist. Es muss ja nicht ein günstiger Preis sein, aber zumindest eine Garantie für einen Betrag X in teilnehmenden Orten noch am selben Tag ein Hotelzimmer zu bekommen.

Meinetwegen ohne Silvester + Oktoberfest, solange nicht jede zweite Woche ein Blackout-Termin ist.

Die Bahn selbst hat natürlich daran kein Interesse, da sie insbesondere BC100 Pendler möchte: Gut kalkulierbare Nutzer des Angebotes.

Malte Krohn November 7, 2013 Antworten

Meistens hatte ich bislang Glück. Nur in Kiel musste ich vor einiger Zeit mal ein völlig überteuertes Bruchbudenzimmer nehmen.

Roland November 7, 2013 Antworten

Ohne BC100 kann ich mir immer ein Normalpreis-Ticket kaufen und werde am Ziel ankommen. Hotelbuchungen sind viel volatiler, riskanter, unvorhersehbarer als Bahnfahrkarten.

Die BC100 verliert ihren Reiz, wenn man stattdessen dann pro Fahrt eine Stunde in die Hotelbuchung investieren muss…

Jöran November 7, 2013 Antworten

Zu den inzwischen 4.090 Euro pro Jahr muss man noch die Reservierungskosten addieren. Das ist gar nicht wenig, zumal nicht wenn man regelmäßig reserviert. Beispielrechnung für (nur)
3 Fahrten die Woche durchschnittlich:
6 Reservierungen bei
52 Wochen im Jahr ergibt
312 Reservierungen zu je
2,50 Euro macht insgesamt
780 Euro zusätzlich.

Die Reservierungen trüben die BC100-Vorteile für mich deutlich, denn neben den Kosten betrifft das auch den Verwaltungsaufwand: Durch die Reservierungen ist der Aufwand für Buchung und Buchhaltung fast genau so groß wie für bezahlte Einzelfahrten.

Malte Krohn November 8, 2013 Antworten

Ich habe in dem ganzen Jahr nur einmal einen Sitzplatz reserviert – nach der Hannover Messe. Ansonsten hatte ich meistens Glück und bin irgendwo untergekommen. Aber natürlich ist da schon etwas Risiko dabei.

Bastian Dezember 9, 2013 Antworten

Reservierungen sind echt streckenabhängig, am CEBIT-Rückreisetag braucht man unbedingt eine, aber auf der Strecke MUC-BERLIN entfallen die Reservierungen so oft, dass das einfach nicht lohnt. Ich zahle lieber den Aufpreis für 1. Klasse und habe nicht nur Platz sondern auch Ruhe. 😉

DerZyklop November 30, 2013 Antworten

Du kannst mit der bc100 von Gießen nach FFM fahren? Ich dachte die gilt für RE-Strecken nicht. Und wie sieht’s mit z.b. HLB aus?

Malte Krohn November 30, 2013 Antworten

Die BahnCard 100 gilt innerhalb von Deutschland für fast alle Züge. Also auch für den DB-Regionalverkehr und die Hessische Landesbahn. Man kann sogar ohne Aufpreis mit dem TGV fahren. Eine komplette Auflistung gibt es hier: http://www.diebefoerderer.de/uploads/media/BahnCard_25__50__100.pdf

Roland November 30, 2013 Antworten

Eine tarifliche Skurrilität möchte ich euch nicht vorenthalten:

Die Inselbahn Wangerooge gehörte bis vor kurzen der DB Autozug, somit war die BC100 hier auch nicht gültig.

Mit der jüngsten Auflösung von DB Autozug und Reintegration in die DB Fernverkehr AG sollte man eigentlich davon ausgehen dürfen, dass jetzt auch dort die BC100 gilt. Leider ist das laut Bahn trotzdem nicht der Fall, zumindest behauptet die Bahn dies.

http://www.siw-wangerooge.de/siw-de/unternehmen/firmenprofil.html

Im Bestellformular der BC100 wird leider nicht darauf hingewiesen vgl. http://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/bahncard/downloads/2013/mdb_114495_bahncard100_web_13_06_01_pk.pdf — also für gelangweilte Juristen eventuell ein gefundenes Fressen 🙂

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