Probefahrt mit dem BMW i3

In: Mobilität Von: Malte Krohn

BMW meint es mit seiner Elektromobilitätsoffensive ernst, das wird mir schon beim Betreten des Autohauses klar. Nicht nur vor der Tür steht der i3 prominent platziert, sondern auch im Showroom selbst wurde ein ganzer Bereich für die i-Plattform freigeräumt. Der i3 steht nicht einfach nur zwischen den konventionellen Modellen, sondern stellt die neue Hauptattraktion dar. Hier können sich andere Hersteller in Sachen Produktpräsentation wirklich noch etwas abschauen. Nur warum BMW seine Automobilkaufleute nun „BMW i Product Genius“ nennt bleibt dahin gestellt. Noch schnell den üblichen Papierkram erledigt und schon geht es los.

Erst einmal ein Blick in den Kofferraum werfen. Hier sitzt der Motor, bzw. sitzen die Motoren. Neben der Standardvariante mit Elektromotor (170 PS) verkauft BMW nämlich auch eine Version mit einer Reichweitenerweiterung, einem sogenannten Range Extender. Dabei handelt es sich um einen Zweizylinder-Motorradmotor, mit einem 9-Liter Benzintank. Sofern der Akku die kritische Kapazitätsgrenze von 20-10 Prozent erreicht, springt der Verbrennungsmotor automatisch an, lädt die Batterie und vergrößert die Gesamtreichweite (etwa 160 Kilometer) um 120 bis 150 Kilometer.

BMW i3

 

Weiter geht’s und schon gibt es das erste Überraschungsmoment. Das BMW im i3 keine B-Säule, sondern Portaltüren verbaut, war mir bereits bekannt, aber wo öffnet man die hinteren Türen? Beim Renault Zoe (hier mein Probefahrtbericht) gibt es außen statt normalen Türöffnern einen kleinen Hebelmechanismus. Diesen sucht man beim i3 jedoch vergeblich. Die Lösung ist zwar schnell gefunden, aber doch etwas gewöhnungsbedürftig. Die hinteren Türen lassen sich erst nach den vorderen Türen öffnen. Der Öffnungsmechanismus ist nämlich nur von innen zu bedienen.

BMW i3

Im Auto selbst fällt sofort die Geräumigkeit auf. Die Mittelkonsole wurde komplett weggelassen, wodurch für größere Menschen wie mich einige Bein- und Kniefreiheit entstanden ist. Auch ansonsten gibt es genug Platz in alle Richtungen. Etwas seltsam finde ich nur, dass es keinen Steckplatz für den Schlüssel gibt. Dieser kann einfach in der Hosentasche behalten oder in die Mittelkonsole gelegt werden. Schöner wäre es aber gewesen, wenn man für den Schlüssel ein Einschubfach vorgesehen hätte, so wie man es von anderen BMW-Fahrzeugen gewöhnt ist.

BMW i3

Insgesamt finden im i3 vier Personen Platz. Der Kofferraum bietet mit 200 Litern Platz für das Nötigste. Mit dem Umklappen der Rücksitze, kann man den Kofferraum auf 1100 Liter Ladevolumen erweitern. Zum Vergleich: Ein neuer VW Golf weist ein Ladevolumen von 380 Liter/1270 Liter auf.

Wofür braucht man eigentlich das Bremspedal?

Und los geht’s: Wie bei Elektoautos üblich hört man erst einmal nicht viel. Und schon auf dem Hof des Autohändlers fällt auf, dass der i3 einen unheimlich kleinen Wendekreis hat. Und noch etwas bemerke ich beim Losfahren sofort: der i3 hat eine wirklich deutlich spürbare Rekuperationsbremse, also Energierückgewinnung sobald man vom Gas geht. Das Auto bremst automatisch und erzeugt dadurch Energie. Für jemanden wie mich, der Autos an der Kreuzung oder Ampel gerne mal ausrollen lässt, eine wirkliche Umgewöhnung. Auch beim Renault Zoe ist es so, dass das Fahrzeug automatisch mitbremst. Beim i3 nimmt die Rekuperation jedoch noch einmal eine völlig neue Dimension an. Wenn man vom Gas geht steht das Fahrzeug kurze Zeit später. Nach etwas Übung braucht man das Bremspedal während der Fahrt so gut wie überhaupt nicht mehr. Im Stadtverkehr verliert man durch die Energiegewinnung kaum noch an Reichweite. In jedem Fall ein wirklich interessantes Fahrgefühl, an das man sich recht schnell gewöhnt und das begeistert. Um Auffahrunfälle zu verhindern gehen die Bremsleuchten übrigens auch dann an, wenn man den Fuß vom Gaspedal nimmt.

Vom Hof des Händlers geht es direkt auf die Autobahnauffahrt: und Rock ’n’ Roll. Auf dem Beschleunigungsstreifen zeigt sich das Drehmoment von 250 Nm. Ein großer Spaß. Und auch hier wird ein Unterschied zum Zoe deutlich. Denn im Zoe hat man dieses Fahrgefühl nur im ineffizienteren Comfort-Modus. Sobald man auf den Eco-Modus umschaltet haut im Zoe sofort die Drosselung rein und man fährt deutlich gebremster. Beim i3 sind die Unterschiede bei langsameren Fahrten subjektiv gefühlt recht klein. Hier hat BMW ganze Arbeit geleistet. Man merkt eben doch, dass man in einem BMW sitzt. Insgesamt gibt es drei Modi: Comfort, Eco Pro und Eco Pro+. In letzterem wird zusätzlich noch die Klimaanlage deaktiviert. Die Höchstgeschwindigkeit ist allgemein auf 150 km/h begrenzt. Im Eco Pro-Modus ist knapp über 90 km/h Schluss. Als Stromverbrauch gibt BMW 12,9 kWh auf 100 Kilometern an.

Auch beim Verkaufskonzept gibt es einige Unterschiede zu Renault. Während man dort das Auto lediglich ohne Akku erwirbt und diesen für eine nicht zu unterschätzende Summe monatlich leasen muss, bekommt man bei BMW das komplette Auto. Auf den Akku gibt BMW eine Garantie von 100.000 Kilometer, bzw. acht Jahren. Sollte ein Akkudefekt nach der Garantie auftreten muss nicht der komplette Akku ausgetauscht werden. BMW hat – wie auch andere Hersteller – einzelne Akkuzellen verbaut, wodurch es möglich ist, lediglich die defekte Zelle auszutauschen.

Bei 35.000 Euro geht es los

Insgesamt muss man für einen i3 in der Grundausstattung derzeit knapp 35.000 Euro für die Version ohne Range Extender und rund 39.500 Euro für die Version mit Range Extender investieren. Viel Geld für einen Kleinwagen. Zumal man dann nur die Grundausstattung auf dem Hof stehen hätte. Serienmäßig integriert, ist immerhin das Navigationssystem, das unter anderem über nahegelegene Ladestationen informiert. Aber ansonsten muss man für alles weitere noch einmal tief in die Tasche greifen. Zumal es dem i3 an angebotenen Sonderausstattungen nicht mangelt. Besonders beeindruckend finde ich auf meiner Fahrt die Einparkautomatik. Diese scannt bei Bedarf die Umgebung und meldet passende Parklücken. Beim Einparken braucht man im i3 nicht einmal mehr Gas und Bremse zu benutzen. Das Drücken der Parktaste reicht schon, um das Fahrzeug vollkommen autonom einparken zu lassen. Etwas gruselig – aber wirklich beeindruckend. Außerdem gibt es eine optionale Infrarotkamera, die vor Fußgängern warnt. Schade nur, dass auch ansehnliche Felgen, wie so häufig, zur Sonderausstattung gehören.

Zu den interessanten Sonderfeatures gehört auch der Internetzugang im Auto. Für jährlich 100 Euro kann man das 10 Zoll-Display in der Mittelkonsole zum Surfen im Internet oder die schnelle Recherche von Terminen und Adressen nutzen. Wie groß das monatliche Datenpaket der Datenflatrate ist konnte ich noch nicht rausfinden, eine entsprechende Anfrage habe ich aber bereits bei Twitter an BMW Deutschland gestellt.  Doch auch ohne Internetpaket überzeugt mich das Entertainment- und Steuerungssystem im Kurztest. Die Kopplung mit dem iPhone funktioniert problemlos und sofort verweist mich das Auto auf die BMW i Remote App (iOS /Android), mit der sich jederzeit der aktuelle Ladestand des Akkus und der Standort des Autos abrufen lässt. Außerdem kann man mit der App das Auto bereits aus der Wohnung vorheizen. Ich zappe aber erst einmal nur durch das Menü des Entertainmentsystem und auch die Nutzung meiner Spotify-Playlists funktioniert perfekt. Sogar die Albencover werden angezeigt. Toll.

BMW i3

BMW i3

Nach meiner Ausfahrt über Autobahn, Bundesstraße, Landstraße und durch die Stadt geht es wieder zurück zum Autohändler, die Rückfahrkamera und die Rückfahrsensoren weisen mir den Weg zur Ladesäule auf dem Hof.

Der Ampelkönig

An eine Sache müssen sich Käufer des i3 in jedem Fall gewöhnen: Man steht mit diesem Auto überall im Mittelpunkt, egal ob an der Ampel, auf der Autobahn oder bei der Fahrt durch die Stadt. Das Auto lenkt alle Blicke auf sich und ich habe während meiner Fahrt viele erstaunte Gesichter gesehen. Oder um es mit der FAZ zu sagen, es handelt sich um den “neuen Ampelkönig”. Der i3 ist nicht nur der Sprintstar, sondern fällt auch durch sein Äußeres einfach überall auf.

Nach der Fahrt kann ich sagen, der BMW i3 überzeugt mich. Einziger Wermutstropfen ist der Preis. Es ist das altbekannte Early-Adopter Problem, die Technik ist noch nicht auf dem Massenmarkt angekommen und das schlägt sich auch im Kaufpreis nieder, zumal BMW neuartige Materialien wie Carbon verbaut, die bislang eben einfach sehr teuer sind. Aber es ist hoffentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich auch beim Preis etwas tut.

Weiteres zum BMW i3:

Ich bedanke mich recht herzlich beim BMW-Autohaus Wahl in Gießen, das mir den i3 für die Probefahrt zu Verfügung gestellt und deren Mitarbeiter mir mit großer Geduld alle meine Fragen beantwortet hat.

4 Kommentare

Alf Dezember 31, 2013 Antworten

Schöner Fahrbericht. In der FAZ stand der wunderbare Satz: „Vom finanziellen Aufwand her ist der BMW i3 wie eine Bahncard 100, die man nur im Regionalverkehr benutzt.“ Was sagst du da als Bahncard 100 – Kunde dazu? 🙂

Malte Krohn Dezember 31, 2013 Antworten

Ja, über den Satz musste ich auch sehr schmunzeln. Er passt durchaus. Denn man bezahlt das Premiumpaket, ist derzeit aber eben doch auf kurze Fahrten beschränkt. Es sei denn man fährt mit dem Rage Extender von Tankstelle zu Tankstelle, was aber nicht Sinn der Sache sein sollte.

Jashin Januar 7, 2014 Antworten

Einziger Wehrmutstropfen?
Ein Ampelkönig in der Tat, aber nur weil das Ding potthässlich ist.
Wobei mir das ja egal wäre. Ein Auto hat schließlich den Zweck mich von einem Ort zum anderen zu bringen und nicht dabei besondrs toll auszusehen…

Malte Krohn Januar 7, 2014 Antworten

Also so hässlich finde ich den i3 (inzwischen) gar nicht. Ja, er ist anders. Aber je öfter ich ihn sehe, desto besser gefällt er mir.

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