Hoch oben im Norden

In: Unterwegs Von: Malte Krohn

SG Flensburg-Handewitt

SG Flensburg-Handewitt

Ich hatte es tatsächlich rechtzeitig nach Flensburg geschafft. Dem sportlichen Finale meiner Tour. Die Bahn hatte sich jedenfalls alle Mühe gegeben und mich rechtzeitig in den Norden gebracht.

Spannend war das Spiel für mich persönlich in mehrfacher Hinsicht und deshalb direkt von Anfang an bei meiner Tourenplanung berücksichtigt worden. Erstens weil ich schon seit Jahren gerne mal in die Flens-Arena wollte und zweitens weil Spiele der MT Melsungen für einen Wetzlar-Fan immer besondere Brisanz bieten. Zwischen Melsungen und Wetzlar, zwei hessischen Vereinen, besteht seit Jahren eine große Konkurrenz. Nicht zuletzt auch dadurch, dass Melsungen immer wieder Spieler aus Wetzlar weglocken konnte. Von daher waren meine Daumen fest für die SG Flensburg-Handewitt gedrückt.

Das Spiel

SG Flensburg-Handewitt

Um es vorweg zu nehmen: Es sollte nicht der Tag von Melsungen werden. Flensburg hatte sich und den Fans nach der bitteren Niederlage gegen Hamburg Wiedergutmachung geschworen und war hochmotiviert in das Spiel gegangen. Und so ginge die Jungs von Trainer Ljubomir Vranjes relativ schnell in Führung. Melsungen schaffte es von der ersten Minute an nicht, Flensburg unter Kontrolle zu bekommen. Dabei war das was man auf Seiten der Flensburger sah nichts neues. Mattias Andersson rettete im Tor die Bälle und per Tempogegenstoß verwandelte Anders Eggert (13 Treffer) einen Ball nach dem anderen. Und wenn er gerade nicht den Ball hatte, war es eben Lasse Svan, der zielsicher traf. In jedem Fall wunderschön anzuschauen.

Während Flensburg schnell zu Toren gelangte, bekam Melsungen immer wieder Zeitspiel angezeigt, was zu unpräzisen Abschlüssen führte, die Andersson zum Teil völlig problemlos abfangen konnte.

Schon zur Halbzeit führte Flensburg deshalb völlig verdient mit 16:9. Nach der Pause kam es für Melsungen aber noch dicker und so stimmten die Flensbur-Fans bereits in der 40. Minute Siegesgesänge an. So etwas hatte ich bislang auch noch nicht erlebt. Obwohl Flensburg nach taktischen Umstellungen anschließend über vier Minuten lang kein Tor gelang, fand Melsungen keine Mittel und Wege noch mal ranzukommen. Von daher konnten die Mannschaft von MT-Trainer Michael Roth fast noch froh über das 35:23 Endergebnis sein.

Die Halle

Flens-Arena

Flens-Arena

Seit langer Zeit stand die Flens-Arena bereits auf meiner Liste. In Kiel, Magdeburg, Hamburg, Gummersbach und Co bin ich inzwischen überall gewesen, den Weg zur nördlichsten Arena in Deutschland hatte ich bislang allerdings noch nicht gefunden. Ich kannte sie bislang nur aus dem Fernsehen. Von daher war ich sehr gespannt.

Auch deshalb war ich zunächst etwas erstaunt. Ich hatte mir die Halle immer viel größer vorgestellt, mich aber auch noch nie genauer über die Zuschauerkapazität informiert. Insgesamt passen in die Halle nämlich „nur“ 6.500 Zuschauer – was für die Handball-Bundesliga aber immer noch viel ist. Am Sonntag waren es knapp 5.800 Zuschauer.

Die Multifunktionshalle, die viele Jahre Campushalle hieß, konnte 2012 die Flensburger Brauerei als Hauptsponsoren gewinnen und trägt seitdem auch deren Namen. Da die Arena auf dem Gelände der Universität steht, wird sie neben Sportveranstaltungen, Konzerten und Messen auch für den Hochschulsport genutzt.

Mit 1.500 Plätzen hat Flensburg die größte Stehplatztribüne der Bundesliga, worauf Fans und Verein schon seit Jahren sehr stolz sind. Denn dies wirkt sich auch deutlich auf die Stimmung in der Halle aus.

Aus Zuschauersicht ist es toll, dass die Tribünen das Spielfeld komplett umgrenzen. Man sitzt also direkt am Geschehen und hat von allen Plätzen eine gute Sicht.

Der einzige Wermutstropfen in der Halle ist das Bezahlsystem. Um Getränke und Essen schneller ausgeben zu können hat man die Kassen vor einiger Zeit auf bargeldloses Zahlen umgestellt. Dafür benötigt man eine entsprechende Karte. Für die Heimfans eine gute Sache, für Gästefans jedoch wirklich unpraktisch. Schon in der neuen Halle in Gummersbach hatte ich mich vor einiger Zeit darüber geärgert. Eigentlich müsste ein einheitliches System für die ganze Liga her – aber das wird sicherlich noch einige Zeit Wunschdenken bleiben. Immerhin sind die Flensburger gastfreundliche Menschen und so konnte ich einfach die Karte von einem Fan mitbenutzen und ihm das Geld geben.

Die Fans

SG Flensburg-Handewitt

Auch in Flensburg war das „typische“ Handballpublikum zu beobachten. Also eine bunte Mischung quer durch alle Altersgruppen. Sehr begeistert hat mich hier, dass auch das ältere Sitzplatzpublikum sich an vielen Aktionen der Stehplatztribüne beteiligte. Beim wechselnden „Flenburg“ – „Handewitt“ Ruf hatte ich jedenfalls Gänsehaut. Der absolute Wahnsinn. So eine Stimmung über die ganze Halle verteilt ist im Handball eine Seltenheit. Auch auffällig war der hohe Anteil dänischer Zuschauer. Schon vor der Halle fielen mir einige dänische Autokennzeichen auf und später wurde mir auch bestätigt, dass es ganze Fanclubs gibt, die an jedem Spieltag von Dänemark aus nach Flensburg kommen.

Beeindruckend – wenn auch etwas fies – fand ich außerdem die Hartnäckigkeit und das Durchhaltevermögen der Fans. Nachdem die Müller-Zwillinge (für Handball-Fans sind sie keine Unbekannten) mehrfach durch Proteste und eine harte Spielweise auffielen, pfiff nahezu die komplette Halle die beiden zehn Minuten lang bei jedem Ballbesitz aus. Die Stehplatztribüne hielt es sogar das komplette Spiel durch.

SG Flensburg-Handewitt

Bei meinem Besuch am Sonntag war also alles vollkommen friedlich und die Stimmung prächtig. Aber nichts desto trotz war Flensburg schon ab und an wegen seinen „Fans“ bundesweit in den Schlagzeilen, was beim Handball eher ungewöhnlich ist. Der Verein musste 2009 sogar Hallenverbote für Mitglieder einer Ultravereinigung aussprechen.

Die „Stadionwurst“

Flens-Arena

Auch im Catering spiegelte sich die Nähe zu Dänemark wieder. Statt Bratwurst gibt es in Flensburg typisch skandinavische Hot-Dogs, in verschiedenen Varianten. Ich habe mich für die dänische Version mit roter Wurst entschieden. Absolut lecker (auch wenn sie nicht so aussieht) und ein Highlight auf meiner Tour. Ohne lange zu überlegen gibt es die Note 1.

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