Das Comeback des Wasserstoffs

In: Mobilität Von: Christian Jung (Gastautor)

Wasserstoff als Antrieb für Automobile war schon mal in den 90er Jahren ein großes Thema. BMW testete ziemlich lange und sogar einigermaßen erfolgreich seinen Hydrogen 7 – einen Oberklasse-BMW, der im umgerüsteten Ottomotor Wasserstoff verbrannte. Danach wurde es ruhig um die Technik. Nur in Japan, so schien es, ging die Entwicklung weiter. Und so kommt Toyota nun mit dem ersten Serien-Wasserstoffauto auf den Markt. Der „Mirai“ ist dabei nichts anderes als ein Prius, der statt Benzin für seinen Verbrenner Wasserstoff für seine Brennstoffzelle tankt. Und sieht dabei äußerst seltsam aus. Aber: Immerhin die Serienreife. Spiegel ONLINE schreibt:

Obwohl die Limousine 1,9 Tonnen wiegt, geht es zumindest im Power-Modus flott zu. Immerhin leistet der aus dem Prius übernommene Elektromotor 155 PS und schickt bis zu 335 Nm Drehmoment an die Vorderräder. Vom Eco-Modus jedoch sollte man besser die Finger lassen. Ist der aktiviert, reagiert das Gaspedal so träge, als hätte man einen platten Fußball darunter geklemmt. Der Mirai ist auf den ersten Blick ohnehin so öko, dass es den Eco-Modus gar nicht braucht: Emissionen sind kein Thema, und anders als bei einem Elektroauto gibt es mit der Brennstoffzelle kein Reichweitenrisiko.

Volle Tanks reichen für 500 Kilometer, sie sind danach in weniger als fünf Minuten wieder gefüllt – wenn denn eine Wasserstofftankstelle vorhanden ist. In Deutschland könnte das schwierig werden, bislang gibt es erst rund ein Dutzend. Und natürlich spielt bei der Umweltbilanz auch die Produktion des Wasserstoffs eine Rolle: Für die Herstellung wird viel Energie benötigt. Stammt diese nicht aus regenerativen Quellen, ist der Öko-Vorsprung dahin.

Interessant gerade auch aus Sicht von BMW, denn die haben in den letzten Monaten enge Beziehungen zu Toyota aufgebaut und man munkelt bereits von einem Wasserstoff-betriebenen BMW i5. Aber auch Audi, in den letzten Jahren nicht unbedingt mit Vorsprung durch Technik aufgefallen, überrascht mit Wasserstoff:

Im Brennstoffzellen-Betrieb benötigt der A7 Sportback H-Tron Quattro rund ein Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer – der Energieinhalt entspricht dem von 3,7 Liter Benzin. Das Tankvolumen macht eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern möglich. Ein Betankungsvorgang dauert nur rund drei Minuten. Die Tanks, die unter dem Gepäckraumboden, vor der Hinterachse und im Kardantunnel untergebracht sind, können etwa fünf Kilogramm Wasserstoff unter 700 bar Druck speichern. Zusätzliche Reichweite von bis zu 50 Kilometern ermöglicht eine 8,8 Kilowattstunden fassende Batterie, die sich über Rekuperation, alternativ auch an der Steckdose (Ladedauer zwischen zwei und vier Stunden) aufladen lässt.

 Man höre und staune: Ein Plug-in-Hybrid mit Wasserstoff. Die Idee klingt vielversprechend, die Technik ist in weiten Teilen schon vorhanden. Wenn nur die Preise (siehe dazu obiger Spiegel ONLINE Link) und die wenigen Tankstellen nicht wären.

3 Kommentare

Christian Jung November 21, 2014 Antworten

Und noch ein Update: VW zeigt ebenfalls die Audi-Technik in einer Studie auf der Los Angeles Auto Show:

http://www.motor-talk.de/news/vw-kann-will-aber-noch-nicht-t5123040.html

Christian November 25, 2014 Antworten

Die Preise haben auch bei mir Abschreckungspotential, nicht nur bei den Wasserstoffautos, sondern auch bei den reinen Elektrowagen. Allein schon ein e-Golf, der in der Grundausstattung jenseits der 30.000 Euro gehandelt wird, ist doch für Normalverdiener schon wenig realistisch. Aber bei einem Preis von 78.000 Euro für ein Wasserstoffauto wird es doch schon utopisch für den durchschnittlichen Autofahrer. Ich selbst bin schon lange auf der Suche nach einem umweltfreundlicheren Antrieb und wenn man mal das Argument aus dem Beitrag berücksichtigt, dass Wasserstoff höchstwarscheinlich nicht nur mit Hilfe erneuerbarer Energien produziert wird, ist man glaube ich mit einem Erdgas-Antrieb noch vergleichsweise umweltfreundlich und günstig unterwegs.

Christian Jung November 25, 2014 Antworten

Das ist wohl wahr, die ökologischste Variante ist im Moment (und das schon seit Jahren) das Erdgas-Auto. Aber eben auch das am wenigsten faszinierende. Ein E-Auto wird bei den wenigen Verkäufen in Deutschland ohnehin zuerst das Pendelauto der Besserverdiener werden. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn auf Dauer kommen wir damit den Margen näher…

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