#i3tour – Es hat geklappt

In: Unterwegs Von: Christian Jung (Gastautor)

Beim vorletzten Tanken in Göttingen hielten wir an einem großen Einkaufszentrum, auf dessen Parkplatz sich eine weitere frei verfügbare 50kw-Säule befand. Das Laden klappte wunderbar, wir mussten auch nur eine begrenzte Reichweite gewinnen, um es nach Kassel zu schaffen. Dazu haben wir auch gleich noch die Gelegenheit genutzt, uns die BMW Niederlassung in Göttingen anzusehen, wo ebenfalls eine 50kw-Säule sein sollte, die aber am Sonntag nicht erreichbar sei. Und tatsächlich, auch in Göttingen hat BMW die Ladesäule hinter ein Tor gebaut. Zwar war das Tor zufälligerweise an diesem Sonntag auf, aber verlassen sollte man sich darauf nicht.

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Besser hat es dann BMW in Kassel gemacht, wo auch die Fahrzeuge hinter einem Tor stehen, die Ladesäule aber auf einem frei zugänglichen Platz davor aufgestellt wurde. Hier luden wir bis auf 99%, da die letzte Etappe nach Gießen mit 120km die längste unserer Tour werden sollte. Wir hatten Glück, denn es wurde auch auch unsere effizienteste Etappe. Weiter waren es die guten Temperaturen, die uns halfen, aber auch das recht stetige Gefälle nach Gießen und eine sehr effiziente Fahrweise mit LKW-Windschatten sorgten dafür, dass wir mit einer kumulierten Reichweite von 141km (kurz zuvor waren es sogar mal 142km) in Gießen ankamen – mit noch 22km Reichweite auf dem Kombiinstrument. Für Malte war hier die Reise zu Ende, wir zapften nochmal 70% Akkuladung aus der 30kw-Säule der Gießener Volksbank und dann konnte auch ich den Nachhauseweg antreten.

Fazit

Wir haben es also geschafft, sowohl der Hinweg mit 518km als auch der Rückweg mit 538km wurde jeweils an einem Tag absolviert. Der i3 hat sich großartig geschlagen und ist ein sehr angenehmes Reiseauto. Die entspannte Art zu reisen, mit 90km/h und vielen Pausen, ist eine wirklich wohltuende Abwechslung auch zu unsrer sonstigen Fahrweise in Verbrennerautos.

Aber es gibt auch negative Seiten, denn ohne eine sehr detaillierte Planung und eine große Portion Glück hätten wir mindestens für die Rückfahrt 2 Tage gebraucht, ohne das tolle Angebot von Fastned in Holland auch für den Hinweg.

Woran liegt das? Nun, zum einen gibt es einfach noch zu wenige Schnelllader mit 20 oder sogar 50kw über den CCS-Anschluss. Fastned macht vor, was wir in Deutschland brauchen: Ein großmaschiges Netz an CCS-Ladern entlang der Autobahnen, ähnlich dem E.ON-Modellversuch von Berlin nach München. Für uns wäre es logisch, wenn das an den bestehenden Autobahn-Raststätten aufgebaut würde und von einer zentralen Stelle betrieben.

Zum anderen sind die bereits jetzt verfügbaren Ladesäulen oft schlecht, manches mal gar nicht erreichbar. Zu viele Anbieter mit unterschiedlichen Systemen wurden auf unserer Tour nur deshalb kein Problem, weil eben viele noch auf eine Zugangskontrolle und eine Abrechnung verzichten. Hätten wir wirklich für jede Säule vorher eine Registrierung abschließen müssen oder die Zahlungsmöglichkeiten erfragen, wäre der Aufwand der Vorbereitung noch weiter gestiegen.

Zusätzlich war die Reichweite des i3 deutlich geringer, als von BMW versprochen. Auf ihrer Internetseite werben die Münchner mit 190km Reichweite, erfahren haben wir maximal die oben genannten 142km – und dafür muss man sich schon sehr verbiegen und ein günstiges Streckenprofil haben. Realistischer waren 120-125km, wohlgemerkt immer noch ohne Lüftung oder gar Heizung und Klimatisierung. Wir sind konstant mit Schal und Wollsocken gefahren, um überhaupt in diese Region zu kommen. Wenn man komfortbetont reisen will, sollte man sich wohl eher auf 100km einstellen. All das wäre kein Problem, wenn es offen kommuniziert würde. Wir hatten mit unserer Vorabplanung nur Glück, weil wir schon von deutlich geringeren Reichweiten ausgingen. Hätten wir mit den 190km geplant, wären wir schon vor der ersten Station gestrandet.

Es soll wohl bereits ein Update für den i3 geben, das etwas mehr Reichweite verfügbar macht. Wie viel das genau sein wird, ist uns nicht bekannt. Vielleicht wird auch einfach nur die Berechnung der Reichweite besser, vielleicht hatten wir ja jetzt schon stets noch mehr Strom in der Batterie, als das Auto uns verraten hat.

Die Reichweitenberechnung ist übrigens nicht die einzige Schwäche des Autos, an vielen Stellen merkt man noch Schwächen in der Informationspolitik. So verrät das Display zum Beispiel nie, mit wie viel Leistung man gerade lädt oder wann man 80% erreicht haben wird. Das schaffen nur die großen 50kw-Säulen selbst. Auch über die iPhone-App kommt man nicht wirklich an mehr Infos. Viel gesprochen wurde seit Vorstellung des i3 auch über das Navigationssystem, das angeblich Reichweite und benötigte Ladepunkte selbsttätig kalkuliert. Das stimmt auch, wir konnten im Autohaus unser Ziel eingeben und erhielten eine korrekt wirkende Reisezeit. Aber wo das Auto laden wollte und was wir dafür berücksichtigen müssten, das verriert es uns nicht. Ohnehin kennt der i3 ja nur die BMW-eigenen Ladestationen oder die der Kooperationsparnter im ChargeNow-Projekt. Fastned zum Beispiel oder die  E.ON-Stationen waren ihm völlig unbekannt. Hier besteht dringender Nachholbedarf für BMW.

Uns ist natürlich bewusst, dass wir mit unserer Fahrt den Nutzungsrahmen des i3 überzogen haben, kaum jemand wird mit einem rein elektrischen Auto solche Touren fahren, meistens handelt es sich ja um Zweitwagen. Noch dazu gibt es den i3 ja auch mit einem Range Extender, der die Reichweite irgendwo in Richtung 300km verschieben soll (wie immer mit Vorsicht zu handhaben). Trotzdem wollten wir probieren, wie der i3 sich unter den Bedingungen schlägt, die man sonst an einem Verbrenner erwartet.

Die Antwort ist: erstaunlich gut, aber eben noch lange nicht perfekt. Wir freuen uns schon auf die kommenden Entwicklungen.

Abschließend noch ein kleines Video, das wir beim Ladevorgang in Kassel aufgenommen haben:

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