#i3tour – Rückgabe und Rückblick

In: Unterwegs Von: Christian Jung (Gastautor)

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Am Mittwoch ist meine Zeit mit dem i3 abgelaufen, zur Rückgabe habe ich ihn wieder bei ASW Wahl in Gießen abgeliefert. Stolze 2100km haben wir dem Stromer verpasst, fast die Hälfte seiner Laufleistung bei unserer Übernahme. Mit dem Verkäufer habe ich noch längere Zeit gesprochen und unsere Tour sowie die gesamte Zeit Revue passieren lassen, also will ich das hier auch nochmal nachholen:

Der i3 auf Langstrecke

Angesichts der Tatsache, dass es mit dem i3 Mit Range Extender ja das perfekte Vehikel für unsere Fahrt gegeben hätte, haben wir uns die Fahrt mit unserer Entscheidung auf rein elektrisches Fahren absichtlich schwer gemacht. Aber wir wollten eben testen, wie man mit einem Elektroauto, das eindeutig nicht für Langstrecke gebaut ist, Langstrecke fahren kann.

Unsere Tour hat der i3 erstaunlich gut gemeistert. Besser kann es ein Elektroauto wohl mit einer 22kWh-Batterie nicht machen. Die großen Schwächen, die uns begegnet sind, waren die im Schnelllade-Netz innerhalb Deutschlands. Zu unterschiedliche Zugangsberechtigungen, sinnlose Tore vor Ladesäulen bei BMW, flächendeckend fehlende Bezahlmöglichkeiten – weshalb für uns sämtliche Fahrten in Deutschland kostenlos waren – und natürlich schlicht zu wenige CCS-Lader. Spannend finde ich, dass das die gleichen Kritikpunkte sind, die es seit Jahren gibt – dabei gibt es mittlerweile genug Ladesäulen mit Wechselstrom. Das Laden mit 50kw Gleichstrom ist dagegen noch recht neu, aber offensichtlich haben die wenigen Anbieter auch nur bedingt aus den alten Fehlern gelernt.

Wie wir schon geschrieben haben, sehen wir hier große Chancen beispielsweise für Tankstellenbetreiber. Wenn sie jetzt investieren würden, könnten Sie den Markt komplett dominieren, für innovative Unternehmen wie Fastned gäbe es keine Chance. Das ist aber beileibe kein Politikversagen, sondern eines der Tankstellenbetreiber und Energieversorger. Nicht der Staat muss die Ladesäulen bauen, sondern die Leute, die damit Geld verdienen können. Das haben sie nur bisher nicht gemerkt.

Vor allem aber brauchen wir mehr Batteriekapazität. Und damit fordern wir, was die Hersteller schon längst angehen. Die Forschung nach neuen Batterietechniken läuft auch Hochtouren und bereits die nächsten Generationen der Elektroautos werden sich massiv steigern. BMW beispielsweise möchte die Reichweite des i3 bei der nächsten Generation verdoppeln. Und mit dem Power eDrive gibt es bereits einen Prototypen, der mindestens zu Tesla aufschließen kann. Bei allen anderen Herstellern außer BMW wird man für große Reichweiten vor allem über das Gewicht reden müssen. Der eGolf von VW hat eine vergleichbare Technik wie der i3, wiegt aber 300kg mehr. Für wirklich effiziente Energienutzung ist das einfach zu viel.

Der i3 im Alltag

Nach unserer Tour konnte ich den i3 noch zweieinhalb Wochen im Alltag nutzen und es ist tatsächlich ein ganz anderes Auto, wenn es in seinem realen Einsatzgebiet bewegt wird. Kurz- und Mittelstrecke schüttelt der i3 aus dem Ärmel. Er macht sogar Unmengen von Spaß, weil er gleich ab Start voll einsatzbereit ist, per Vorwahluhr oder Fernbedienung durchklimatisiert zieht er mit voller Power vom Stand weg. Warmfahren, wie bei Dieseln oder Benzinern, kennt der Elektromotor nicht. Von der Reichweitenangst befreit, genießt man auch endlich einmal höhere Geschwindigkeiten (154km/h bergab und mit Rückenwind), erfreut sich an elektrisch betriebener Heizung und Klimaanlage – neue Gefühle für Reichweitenmaximierer – und an jedem beherzten Tritt aufs Gaspedal. Zu Hause kommt der i3 dann wieder an die Steckdose und ist am nächsten Morgen voll. Wenn man nicht zu weit zu fahren hat, sieht man weder eine Tankstelle noch eine Ladesäule jemals aus der Nähe.

Und so ist auch mein persönliches Fazit auf die Frage, ob ich mir einen i3 vorstellen könnte, ein ganz simples: Nein. Natürlich ist es nett und angenehm, zum Einkaufen, zur Post, zum Arzt lautlos und für unvergleichlich niedrige Kilometerkosten zu düsen. Aber: Meine geschäftlichen Termine hauptsächlich im Rhein-Main-Gebiet kann ich mit dem i3 vergessen, da muss nach wie vor den Verbrennungsmotor bemühen. Gerade weil hier im strukturschwachen Mittelhessen die öffentlichen Verkehrsmittel keine wirkliche Alternative sind. Nur für die Kurzstrecken aber über 40.000€, wie bei unserem Testwagen, auf den Tisch zu legen, obwohl man gar kein zweites Auto braucht?

Wer sich für einen i3 oder jeden anderen Elektrowagen interessiert, sollte seine Faszination erstmal ausblenden und nur auf sein Fahrprofil schauen. Wer zum Beispiel jeden Tag 30-50km pendelt, ist ein idealer i3-Nutzer und braucht vermutlich nur zwei oder drei mal im Jahr ein anderes Auto, das er sich dann leihen kann oder sogar vom Hersteller gestellt bekommt. Wer dagegen einen Pendelweg von über 100km hat, oder überhaupt keinen aber viele lange Dienstfahrten, der muss schon ein großer Liebhaber von Elektromobilität sein und eine pralle Brieftasche haben, um sich den Spaß zu gönnen.

Nachsatz: Der i3 als Datenkrake

Bei der Rückgabe von Mietwagen ist es man ja gewohnt, seine Daten aus dem Auto zu löschen. Wenn man sein Telefon per Bluetooth verbunden hat, wird oft das ganze Telefonbuch übertragen. Und während mir das immer wichtig war, meine Kontakte nicht für jeden Nachmieter zu hinterlegen, staunt man selbst als Nachfolger schon oft, was noch so aufzufinden ist. Noch extremer fand ich die Erfahrung im i3. Zwar waren nach Abkoppeln des Telefons keine sichtbaren Kontakte mehr zu sehen, viel drastischer aber ein sehr versteckter Punkt im Navigationssystem. Ich zitiere einfach mal von bmwblog.com:

„My previous charging locations were still recorded, months after I used this loaner car. All I had to do is choose this entry and the car would direct me to my restaurant in Montclair, NJ. I could have also visited the homes of some of my fellow local i3 owners.

So as I headed out of the dealership I started the navigation system, and instead of entering the destination, I scrolled down to “Last Charging Stations” just to see if the addresses I charged at a few months back were still saved there. They were. My restaurant in Montclair and my home address were saved as destinations in the loaner’s nav system. Then, as I scrolled down the list I saw addresses of all my friends who live locally and drive i3s. Their names weren’t listed, but the navigation system stored the exact location of their homes – which I know because we are friends. Evidently they too had used this loaner i3 while their car was in for service. Since they charged the car at home, their addresses were recorded as “Last Charging Stations” and stored in the nav system. I erased all the entries that were addresses of the people I know, but I wonder how many of them realized they were leaving a record of where they live and charge for anyone who had the car after them to see.“

Der i3 speichert tatsächlich jede Ladestation, öffentlich oder privat. Ich konnte über die Anzeige nachvollziehen, wie unser Wagen seinen Weg von München bis an die Nordsee und wieder nach Mittelhessen gefunden hat, ich konnte auch meine eigene Adresse gleich mehrfach sehen. Es ist ein Unding, dass BMW bei Miet- und Vorführwagen nicht bei jeder Rückgabe automatisch ein Rücksetzen auf Werkseinstellungen durchführt, vor allem, da es diesen Punkt sogar leicht auffindbar im Menü gibt.

Und noch eine weitere schockierende Erkenntnis: Ich konnte den i3 über eine iOS-App fernbedienen, konnte seinen Ladestand überprüfen, wie lange er noch lädt, konnte seine Position orten, konnte ihn sogar hupen lassen oder auf- und zuschließen(!). Heute habe ich mal nachgeschaut und: Ich kann es immer noch. Ich weiß also, wo der i3 nach meiner Mietzeit hingefahren ist. Und wenn ich etwas öfter nachschaue, kann ich problemlos rausfinden, wo der Nachmieter wohnt. Und wenn ich dort hinfahren würde, kann ich von wo immer ich möchte das Auto aufschließen und mir gemütlich aus dem Innenraum mitnehmen, was ich möchte. Im Ernst, BMW?

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